Ausstellungsaktionen EgoArchive und Partizipia - der Kunstpreis


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03.Dezember bis 19.Dezember 2010  EgoArchive und Partizipia - Kunstpreis



Vernissage "EgoArchive und Partizipia - Kunstpreis"

Vom 03. bis 19. Dezember präsentiert das d-52. raum für zeitgenössische kunst die Ergebnisse zweier partizipatorischer Projekte, die von Mitgliedern des d-52. konzipiert und organisiert wurden. Die Ausstellung wird am Freitag, 03. Dezember um 19.00 Uhr im d-52., Rather Str. 52, eröffnet. Bei der Mitmachaktion "EgoArchive", die von Bianca Bocatius (Kunsthistorikerin) initiiert wurde, sollte der Teilnehmer nicht sich selbst fotografieren, sondern ein persönliches Regal mit seinem Inhalt, das stellvertretend die Interessen, den Geschmack oder Charakter des Besitzers widerspiegelt. Um den von Sabine Rolli (Künstlerin) ausgeschriebenen Kunstpreis "Partizipia" zu erhalten, wurden Künstler aufgefordert, sich zusammen mit einem ihrer Kunstwerke in einem Fotoschnellautomaten porträtieren zu lassen. Auch bei diesem Projekt stand nicht der Mensch direkt im Mittelpunkt, sondern das Kunstwerk, das von den teilnehmenden Künstlern häufig so positioniert wurde, dass die Person kaum noch auf dem Bild zu erkennen ist. Die Schnittstelle beider Projekte stellt somit das indirekte fotografische Portrait dar. Grundlage des Projekts "EgoArchive" bildete die Idee der indirekten Portraits. Frühe Entwicklungen stellen die Steckbilder des 17. Jahrhunderts dar. Ein bedeutendes Beispiel für ein indirektes Portrait ist das Selbstbildnis „Augenbetrüger – Stillleben“ von Samuel van Hoogstraten. Der Künstler malte in den Jahren 1666/78 sein Selbstbildnis, in dem er 21 kleinere und größere Gegenstände auf einer Art Pinnwand detail- und materialgetreu nachahmt. Die dargestellten Gegenstände sind als verstecktes Selbstportrait des Künstlers zu verstehen, da diese auf das Betätigungsfeld des Künstlers, Gelehrten und Schriftstellers verweisen. Das rote Büchlein enthält das vom Künstler selbst verfasste Trauerspiel Dorothee und die Brille verweist auf das Sehen und somit auf den Maler (vgl. www.buceriuskunstforum.de). Das abstrakte Selbstbildnis wird in diesem Projekt allerdings nicht mehr offensichtlich vom Künstler arrangiert und in Szene gesetzt, sondern als Fotografie unmittelbar in Form eines persönlich eingerichteten Regals präsentiert. Das Ergebnis des Konzepts bleibt durch seinen partizipatorischen Charakter offen. Was gezeigt wird, welche Schwerpunkte gewählt werden oder wie das Motiv aufgenommen wird, bleibt in den Händen der Teilnehmer. Erst bei der Vernissage können Fragen nach der Vergleichbarkeit der Portraits und der Erkennbarkeit charakterlicher Eigenschaften im indirekten Portrait beantwortet werden. Das theoretische Konzept wird explizit zu einem offenen Ereignis mit ebenso offenem Ergebnis und beinhaltet somit keine traditionelle Konzeption mit Auswahl von Künstlern und Kunstwerken nach bestimmten Fragestellungen sowie Themenschwerpunkten. Der Ausgangspunkt für das Projekt "Partizipia" von Sabine Rolli stellt die Bedeutung von Kunstpreisen in der Biografie eines Künstlers dar. Durch die scheinbar neutrale und fachkompetente Vergabe von Kunstpreisen durch eine Jury wirken sie auf das Oeuvre eines Künstlers verkaufsfördernd, da diese eine vermeintlich gesicherte Werteinschätzung ermöglichen. Dieses System ist nicht unumstritten, selten sind die Entscheidungen so neutral, wie sie vorgeben zu sein oder es werden bestimmte, gerade marktorientierte Stile durch Kunstpreise gefördert. In Deutschland waren im Jahr 2009 ca. 90.000 Künstler bei der Künstlersozialkasse registriert. Jährlich werden hier zu Lande etwa 150 Kunstpreise ausgeschrieben. Die Mehrzahl der Künstler wird folglich nicht prämiert und somit liegt die Schlussfolgerung nahe, dass die meisten gemeldeten Künstler scheinbar Kunst von minderer Qualität herstellen. "Partizipia - der demokratische Kunstpreis für alle!" stellt eine scheinbare Alternative dar: der Kunstpreis wird unjuriert allen Einsendern, die die einfachen Bedingungen erfüllen, verliehen. Ziel von „Partizipia - der demokratische Kunstpreis für alle!“ ist es, das System Kunstpreis zu hinterfragen und ad absurdum zu führen. Somit waren die Teilnahmebedingungen auch nicht die üblichen: Eine Mappe mit aussagekräftigen Reproduktionen der eigenen Werke und ein möglichst repräsentativer Lebenslauf mit vielen schon erhaltenen Kunstpreisen, bildeten nicht die Beurteilungsgrundlage. Als Teilnahmevoraussetzung genügte es, wenn sich der Künstler, ohne weitere biographische Angaben, zusammen mit einem seiner Kunstwerke in einem Fotoschnellautomaten ablichten ließ und das Resultat dann an d-52. schickte. Postwendend erhielt er den Preis in Form einer Urkunde. Die Form der "Bewerbung" und die qualitativ schwache fotografische Wiedergabe in einer Umgebung (Automat), die wenig kreativen Spielraum und Platz für Repräsentation ließ, verdeutlicht dienicht beurteilende Ausrichtung des Preises, der durch das Fehlen einer Jury ins Absurde gesteigert wird. Der demokratische Ansatz des Preises ist nicht nur in der Vergabe der Urkunde an alle Einsender ersichtlich, sondern ebenso in der Vereinheitlichung der Bewerbungsfotos durch den gegebenen Rahmen. Die zahlreichen Einsendung werden alle im Rahmen der Ausstellung präsentiert. Die Fotografien der „Partizipia“ - Kunstpreisträger werden neben einigen großformatigen Ausdrucken der eingesendeten EgoArchive sowie einer Beamer-Präsentation gezeigt.


Öffnungszeiten bei laufender Ausstellung
Freitags 17:00 bis 19:00 Uhr
Sonntags 15:00 bis 17:00 Uhr



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